Ein Gottedienst für Väter an Himmelfahrt, am “Vater-Tag” oder einem anderen Tag Im folgenden Entwurf für einen Gottesdienst für und mit Vätern (und ihren Kindern und den Müttern) sind Module miteinander verbunden, die sich auf drei Anlässe beziehen: Himmelfahrt, der traditionelle Vatertag und die Vater- Kind-Aktion der Männerarbeit der EKD mit ihrem Motto "Papa, wie machst du das?"  Verbindendes Element ist die verstärkte Einbeziehung von Vätern und ihrer Lebenswelt. Der Bibeltext, der die drei Module verbindet, ist die Geschichte vom Verlorenen Sohn aus Luk 15. Er wird ausgelegt, indem das Thema "Loslassen" ins Zentrum gerückt wird. Es ist ein großes Thema des Lebens, das sowohl für Kinder begreiflich zu machen ist als auch für das Erleben von Vätern (auch wenn sie sonst kirchlichen Äußerungen distanziert gegenüber stehen mögen). Und es bietet die Gelegenheit, Väter und Kinder etwas miteinander machen und voneinander lernen zu lassen. Ansprache (Predigt) Wir feiern heute das Fest Christi Himmelfahrt. Heutzutage ist es vor allen Dingen ein schöner arbeitsfreier Tag im Mai, der sich obendrein oft nutzen lässt, um in eine sehr langes Wochenende zu gehen, an dem alle in der Familie viel Zeit haben. Dass hier gefeiert wird, dass Jesus nach seiner Auferstehung in den Himmel auffährt, in einer Wolke, wie es in der Bibel heißt, ist vielen doch recht fremd geworden. Allerdings haben wir uns meist die Vorstellung bewahrt, dass es eine gute Sache sein muss, in den Himmel zu kommen, wo man sich immerhin ja himmlisch fühlen muss. Das ist also auf jeden Fall ein Grund zur Freude. Andererseits geht es dabei doch aber um einen ziemlich herzzerreißenden Abschied. Die Jünger bleiben zurück. Ihr geliebter Jesus geht weg. Ihr Meister, der unter ihnen das Reich Gottes hat lebendig werden lassen. Mit dem sie das fürchterliche Drama seines Todes durchlitten hatten und der sie mit seiner Wiederkehr schockiert und begeistert hat. Der Sohn Gottes selbst: weg! Welch ein Gefühlssturm zwischen Jubel und Trauer, Gemeinschaft und Einsamkeit! Die Männer und Frauen und Kinder, die mit Jesus zusammen waren, mussten ihn jetzt loslassen. Aber er geht "zum Vater". Diesem Gott, der ihnen im Zusammensein mit Jesus Christus so nahe gekommen ist, wie ein guter Vater seinen zutraulichen Kindern. Himmelfahrt ist auch ein Vater-Kind-Fest. Neben den Texten, die die Himmelfahrt schildern, gibt es einige Vater-Kind-Geschichten in den Evangelien. Eine besonders schöne und bewegende kennen fast alle. Sie ist bekannt als die Geschichte vom "Verlorenen Sohn" im 15. Kapitel des Lukasevangeliums. Lk 15, 11-24 11 Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. 12 Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie. 13 Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. 14 Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben 15 und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. 16 Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. 17 Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! 18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. 19 Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! 20 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. 22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße 23 und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! 24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. Das ist - auch - eine Geschichte des Loslassens. Der Vater in dieser Geschichte lässt den Sohn ziehen. Er lässt ihn sein eigenes Leben wählen. War es abzusehen, dass er es schwer haben würde in seinem Versuch, das Glück zu finden? Väter wissen so viel mehr. Aber das nutzt erst mal nichts. Jedes Kind macht sich auf den eigenen Weg, vom ersten Augenblick an. Jeder Junge und jedes Mädchen macht seine, ihre Erfahrungen für sich selbst, ganz neu, erringt Erfolge und scheitert auch immer mal wieder. Ein Kind halten und beschützen zu wollen, das ist ein großer und guter Wunsch. Wir verbinden auf diese Weise unser Leben mit dem Leben des  Kindes, aus Liebe. Aber wir binden es auch. Immer besteht die Gefahr, dass diese Sicherheitsleine zu fest geknüpft ist. Ja, wir können einiges weitergeben! Wir wissen von vielem, wie man es macht. Und wir dürfen und sollen das auch unsere Kinder lehren. Und dann kommt der Punkt, da müssen wir es machen lassen. Loslassen. Binden und Loslassen. Lernen und Selbermachen. Etwas zeigen und gemeinsam üben. Für das alles haben wir, damit wir hier auch mal was zusammen machen - heute die Väter und die Kinder vor allem - etwas vorbereitet: Knoten knüpfen. Wir haben hier jeweils ein paar Seile (Stricke, Schnüre, Stäbe eventuell) und Anleitungen für das Binden von Schlingen und Knoten. Zu den Anleitungen. Vielen Dank. Hoffentlich hat es Spaß gemacht. Hoffentlich war es nicht zu einfach, und nicht zu kompliziert. In unserer Geschichte der Sohn, das Kind von dem Vater, musste auch loslassen lernen. Nämlich seine Wünsche. Er hat versucht, ein Leben zu führen, wie es ihm gut gefiel. Leider klappte das nicht so richtig. Erst lebte er zwar in Saus und Braus. Aber dann war das Geld alle. Und die Freunde waren auch weg. Na, das waren wohl nicht die richtigen Freunde, denn hinterher half ihm niemand so recht. Vielleicht hatte der junge Mann auch nicht lernen können, wie man echte Freunde und Freundinnen gewinnt und an sich bindet. Wir wissen es nicht. Jedenfalls musste er Abschied nehmen vom sorglosen Leben. Und als es ihm so richtig schlecht ging, da musste er noch etwas loslassen: die Vorstellung, dass er ein guter Sohn wäre, so wie er dachte, dass sein Vater ihn haben wollte. So verwickelt war das mit seinem Leben. Und dann ging er zurück. Als Knecht wollte er's versuchen, zuhause. Da wäre er dann von einem freien, ungebundenen Sohn zu einem abhängigen Befehlsempfänger geworden. Manchmal muss man sich einbinden lassen, um etwas zu essen zu haben, das ist heute nicht anders. Aber was passiert? Der Vater sieht den Sohn. Der sieht so elend aus. An der Stelle des Vaters: Wie würden wir reagieren? Das wäre vermutlich der richtige Zeitpunkt, sicherzustellen, dass das Kind seine Lektion gelernt hat. Jetzt könnte er sagen: "Na, da siehst du! Das kommt davon! Hättest Du doch auf mich gehört!" In aller Liebe. Aber klar! Sicher, das wäre väterlich. Doch nein! Der Vater sieht den Sohn, in seinem ganzen Elend, seiner Furcht, Verzagtheit und Hoffnung. Der stammelt noch so was wie: "Ich weiß ja, ich hab Mist gebaut. Und…" Was dann sofort untergeht in der riesigen Freude des Vaters. Der fällt seinem Kind ganz einfach um den Hals. Gibt ihm nicht nur etwas zum Anziehen und zu essen, sondern schenkt ihm umgehend ein Festgewand und bereitet ein Feiermahl vor. Später nimmt er ihn in Schutz, als sein Bruder ihn angreift. Jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind ist so ein Vater zu wünschen. Das geht direkt zum Herzen, die Geschichte versteht man sofort. So wäre es gut und richtig. Oft ist es aber nicht so, es ist ja auch nicht so einfach. Der Vater in der Geschichte soll auch kein Vorbild sein. Jesus erzählt sie, um zu zeigen, wie Gott es mit uns meint. Ein ganz normaler Vater kann vielleicht gar nicht so sein. Aber sich vielleicht anstiften lassen. So wie der Vater der Geschichte, loslassen. Z. B. die Erwartung, wie unsere Kinder eigentlich sein müssten. Wie macht er das, der Vater? Er sieht den Sohn von weitem und er sieht, was ist und wie es ist. So geht loslassen. Etwa so, wie bei den Knoten: zum Lösen gehört, sich die Schlingen genau anzusehen und das lose Ende zu finden. Ein bisschen Ausprobieren, wo es nachgibt, gehört auch dazu. Und als Kinder unseres Vaters im Himmel, dürfen wir glauben: So macht er es auch mit uns: Sehen, wie wir sind. Uns um den Hals fallen und uns küssen, wenn wir zu ihm kommen. Amen
Die Vater-Kind-Aktion kann mit einer Aktivität zum “Vater-Tag” am 29. Mai verbunden werden. Dessen Termin liegt auf dem kirchlichen Fest Christi Himmelfahrt. Oft feiern Kirchengemeinden das Himmelfahrtsfest als Familiengottesdienst - auch unter freiem Himmel und fortgeführt durch ein Gemeindefest. Väter gehören dazu und können bei dieser Gelegenheit besonders angesprochen und einbezogen werden. Seit Jahren gehört zur Vater-Kind-Aktion darum ein Vorschlag für einen entsprechenden Gottesdienst.
Aktion
Alternative Aktionsvorschläge: Anleitungen.