Papa kümmert sich In der Etymologie heißt es, dass "sich kümmern" sprachgeschichtlich von "sich um etwas sorgen" abstammt.  Der Vater als Kümmerer ist insofern ein "sich Sorgender"; modern gesprochen ein "Care"-Verantwortlicher. Als "sich Sorgender" ist er kein Technokrat, kein lediglich rational planender oder kalkulierender Vater, sondern ein in Beziehung stehender und in Gemeinschaft mit seiner Familie mitfühlender Kümmerer. Ein Kümmerer, der sich sorgt, ist keiner, der sich folgenlos "Sorgen macht", der ängstlich da sitzt, sondern ein Mann der verantwortlichen Tat. Kümmerer sind keine Chefs und keine Diener - die Hierarchie spielt beim Kümmern keine Rolle. Kümmerei entsteht allein aus Einsicht, Handeln wollen und Verantwortungsgefühl. Sie ist partnerschaftlich, dialogisch und offen. Sie entsteht aus Sorge und nicht aus dem Willen zur Macht. Männer als Kümmerer - eine positive Metapher, die anschlussfähig für männliche Vielfalt ist. Kümmerer können im Baumarkt die Bretter für das Hochbett aussuchen, Kümmerer können nachts aufstehen und die Kinder trösten und Kümmerer können die finanzielle Vorsorge für die Heranwachsenden übernehmen. Dem Kümmern sind keine Grenzen gesetzt - und Kümmern braucht keine besondere Qualifizierung. Beim Kümmern ist es so, wie es im Sozialismus einmal werden sollte: jeder engagiert sich nach seinen Stärken und jeder nimmt Rücksicht auf seine persönlichen Bedürfnisse. Die Kümmer-Kampagne Warum dann überhaupt eine Kümmer-Kampagne, wenn Kümmern so einfach ist? Zunächst einfach deshalb, um deutlich zu machen, was Väter alles leisten. Manches Kümmern ist gut versteckt und wird weder wahrgenommen noch wertgeschätzt. Statt "du warst ja wieder so lange bei der Arbeit" kann es dann auch mal heißen: "ich bin froh, dass du mit deiner Arbeit jeden Tag die Grundlage für unser gemeinsames Leben schaffst". Zudem kann eine Kümmer-Kampagne verdeutlichen, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, ein guter Vater zu sein. In der Entwicklungspsychologie war bei dem berühmten Donald Winnicott immer von der Mutter die Rede, die "good enough" sein sollte. Aber was ein guter Vater ist, ist bis heute relativ unklar. Gerade die Unterscheidung zwischen "neuen Vätern" und klassischen Vätern, die in der Väterforschung gängig ist, hat dazu beigetragen, dass einem Teil der Väter das Stigma anhängt, evtl. nicht auf der Höhe der Zeit zu sein. Das Bild des Vaters als Kümmerer ist da offener. Es legt nicht fest, was alt oder neu, gut genug oder nicht gut genug ist. Es lädt ein, die Leistungen aller Kümmerer wahrzunehmen und zu würdigen. Der Vater als Aktivposten Vater-Kind-Arbeit kann an diesem aktiven und modernen Bild von Fürsorge gut anknüpfen. Schließlich geht es auch bei der Vater-Kind-Arbeit meistens zuerst ums aktive Tun, bevor es später ans Nachdenken und Reden geht. Der Vater als Praktiker, als Zupackender, als Gestaltender, als Mitmachender. So geht es bei der Vater-Kind-Arbeit los. Das ist kultur-, sprach- und milieuübergreifend erfolgreich: wo Väter gebraucht werden, sind sie dabei. Nicht zufällig gelingen handwerkliche, erlebnispädagogische und gesellige Vater-Kind-Aktivitäten häufig am leichtesten. Väter als Sorgende: dieses Bild weist auf ein Zweites der Vater-Kind-Arbeit hin: In der Väter-Kinder- Gemeinschaft auf Zeit sorgen die Väter für ihre Kinder und für sich selbst. Sie kümmern sich - zunächst zeitlich und räumlich begrenzt - manchmal erstmalig ganzheitlich um die Bedürfnisse der Kinder, auch um die, die sonst von Anderen "besorgt" werden. In der Gemeinschaft mit anderen Vätern und Kindern ist dies ganz selbstverständlich und zumeist ganz einfach. Schließlich spielen die Kinder in der Regel mit und wollen die Zeit mit ihrem Papa genießen. Vater-Kind-Arbeit kümmert sich Die erfolgreiche Kümmerei der Väter in der Vater-Kind-Gruppe kann zudem die Brücke bilden zum Thema "Kümmern" in der Familie. In der Begleitung von Reflektions- und Motivationsgruppen können die Väterpädagogen an den Stärken der Väter und am gemeinsam Erlebten anknüpfen. Dann lässt sich auch leichter mal ein Blick aufs "Nicht-Kümmern" werfen, das im Väterleben - leider - auch immer wieder vorkommt: auf das sich verlassen auf Mütter, auf das abwarten, zaudern oder wegducken. Kümmern macht Spaß und Kümmern bringt Anerkennung. Auf diesen Erfahrungen von Vater-Kind- Aktivitäten basieren "Kümmerplanungen", die am Ende von Vater-Kind-Aktivitäten stehen können: sich selbst und andere Väter erlebt zu haben, macht Lust und Mut auf mehr. Und dann im Gespräch gestärkt zu werden, zu erfahren, dass Kümmern vielfältig ist und jeder mit seinen eigenen Stärken einen wichtigen Beitrag in der Entwicklungsförderung seiner Kinder spielen kann: da ist das Toben mit den Kindern nicht mehr oder weniger wert als das Vorlesen oder Kochen. Aber auch der Besuch von Elternabenden, das gemeinsame Überlegen und Begleiten eines Vereinsbeitritts, die Suche nach einem passenden Kinderarzt und der Kauf eines Geschenkes können Ausdruck eines Kümmerns sein, dass dann gut genug ist, wenn es Kindern und Vätern gut geht. Im Idealfall geht es dann auch den Müttern gut, aber das steht auf einem anderen Blatt … Der Kümmerer als Erziehungs- und Bildungspartner in Kirche, Kita und Schule Erziehung und Bildung sind gemeinsame Aufgaben von Familie und Institutionen. Immer stärker wird deutlich, dass Erziehungs- und Bildungsleistungen von Familien und Institutionen abgestimmt und zueinander passend gestaltet werden sollten. Aus der Sicht der Institutionen setzt sich deshalb zunehmend die Idee von Erziehungs- und Bildungspartnerschaften durch, bei denen die Eltern in den Institutionen als aktive Partner begriffen und beteiligt werden. Väter spielen hierbei bisher häufig noch eine untergeordnete Rolle; nicht zuletzt auch deshalb, weil sie sich zu wenig eingeladen oder gebraucht fühlen. Hier sind in den nächsten Jahren weitere Entwicklungen auf Seiten der Väter, der Mütter und der Institutionen nötig: Väterbeteiligung in Institutionen braucht eine Kultur der Einladung und Offenheit für die männliche Seite, männliche Kulturen und Sichtweisen. Den Vätern selbst gilt es zu verdeutlichen, dass sie in diesen Erziehungs- und Bildungspartnerschaften gebraucht werden und dass sie selbst und ihre Kinder davon profitieren können. Nicht zuletzt ist es z.B. wesentlich einfacher, in der Gemeinde gemeinsam mit anderen Eltern an Angeboten der religiösen Bildung oder an Elternabenden in der Kita teilzunehmen, als sich allein für die (religiöse) Erziehung zuständig zu fühlen. Auch Mama kümmert sich Das Motto "Papa kümmert sich" soll keinesfalls signalisieren, dass sich nun die Väter an der Stelle der Mütter um die Kinder kümmern oder dass die Sorgearbeit der Väter wichtiger sei als die der Mütter. Die pointierte Aussage "Papa kümmert sich" umfasst insofern die allgemeinere Idee, dass Mütter und Väter sowie weitere Erwachsene die Pflege, Erziehung und Bildung ihrer Kinder als gemeinsame Aufgabe begreifen. Selbstverständlich ist diese Aufgabe gemeinsam zu entwickeln, zu planen und zu besprechen. Sie soll letztlich ein Bestandteil einer partnerschaftlichen und gleichberechtigten Elternbeziehung sein. Kümmern und einbeziehen Eine weitere Gefahr des Mottos "Papa kümmert sich" besteht darin, dass der Begriff des Kümmerns in der alten, autoritären Tradition der Fürsorge verstanden wird und die Autonomie sowie die Entwicklungsbedürfnisse der Kinder aus dem Blick geraten. Dies ist keinesfalls beabsichtigt! Wenn der moderne Papa sich kümmert, geschieht dies natürlich möglichst in einer zugleich sorgenden und offen-dialogischen Art. Der Papa kümmert sich in diesem Sinne gemeinsam mit den Kindern und den anderen Erwachsenen um das Aufwachsen seiner Kinder. Hierbei sind in Zeiten von Patchworkfamilien teilweise aufwendige Abstimmungsaufgaben zu übernehmen. Damit dennoch aus dem Kümmern keine Überforderung oder sogar Kummer - auch dieses Wort ist mit dem Kümmern sprachlich verwandt - wird, bietet die Jahresaktion vielfältige Aktivitäten rund um das Motto "Papa kümmert sich". Sie sollen die Väter zu vielfältigem Mitmachen anregen und zugleich die Öffentlichkeit darauf stoßen, wie engagiert Väter schon heute ihre Paparolle wahrnehmen.  Dr. Remi Stork