Wann,  ja wann – sehen Kinder ihre Väter? …Wenn Väter voll berufstätig sind, d. h. im Durchschnitt deutlich über 40 Stunden arbeiten, hinzu kommen Wegezeiten.  Geld muss schließlich verdient werden. …Wenn sie nach einer Trennung in verschiedenen Wohnungen leben, an verschiedenen Orten wohnen, zu verschiedenen Familien gehören… …Wenn Kinder und Jugendliche von einem Termin zum anderen laufen (müssen). Sport, Musik, Vereine, Schul-AGs, das ist alles sehr wichtig. .. …Wenn es ja auch noch so etwas wie Freizeit geben soll, Freunde und Freundinnen für die Kinder, Hobbys, Kumpels, Ausspannen, Partnerschaft und Beziehung für die Väter. (Gerade bei der Zeit für sich selbst wird am ehesten gespart – was nicht unbedenklich ist.) Gesehen werden – das gehört zum Wichtigsten, was ein Mensch im Leben erfahren kann. Es ist lebensnotwendig. Kinder fordern das stark ein: „Papa, guck!“ (Und dann nochmal – manchmal kann einen das auch wahnsinnig machen.) Ein liebevoller Blick ist unverzichtbar. Nur so ist Wachsen, ist Entwicklung möglich. Wo wir uns verstellen und verbergen müssen, zudem noch, weil es um unser „Ansehen“ geht, gerät unsere Lebendigkeit ins Stocken. Für Kinder ist das noch schlimmer als für Erwachsene. Deshalb muss es ein respektvoller Blick sein, der auf uns ruht und mit dem wir andere ansehen. Denn andererseits ist nichts so zu fürchten, wie gesehen zu werden – wenn ich nicht recht gesehen werde. Väter legen heute großen Wert auf Zeit mit ihren Kindern  jeden Alters. Die Arbeit hat, wie Statistiken belegen, nicht mehr den alten, höchsten Stellenwert im Leben eines Mannes. Aus vielen Gründen – mit Kindern sein zu wollen, gehört zu den Bedeutsamsten. Viele Väter leiden heute tatsächlich darunter, dass ihre Wünsche nach ausreichend Zeit für Familie und Kinder hinter der Realität zurückbleibt. Zeit aber braucht man, um zu sehen. Einerseits, ganz sicher schon rein quantitativ – man braucht eine Menge Zeit. Vor allem aber, weil klares Sehen Achtsamkeit und sensibles Wahrnehmen erfordert. Gerade dann, wenn gemeinsame Zeit rar ist, wie z. B. bei Trennungsvätern und -kindern, oder angesichts ökonomischer Zwänge. Denn der Blick auf die Kinder wird ja auch immer von inneren Vorstellungen verstellt, zum Beispiel von Idealen oder von Ängsten. Viel besserkann es sein, sich auf die Beziehung allmählich tief einzulassen und mit ihr und mit den Kindern zu wachsen. Denn es geht längst nicht mehr darum, ein „guter Vater“ nach irgendwelchen früheren oder modernen Vorstellungen zu werden und zu sein. Etwa verantwortungsvoller Brotverdiener und jetzt eben auch noch Vorbild oder lockerer Kamerad oder alles zusammen. Väter sind vielmehr in der Situation, in einer sich wandelnden Welt und ohne verfügbare Modelle ihre Rolle auszufüllen und vor allem ihren Kindern gerecht zu werden. Dies ist eine echte Herausforderung. Die sich lohnt, denn die Beziehung zu Kindern verändert Männer und auch die geltenden Männerbilder, z. B. indem „soft skills“ wie Kommunikationsfähigkeit und emotionale Kompetenz wichtig werden. Sie prägt auch Kinder, jetzt und für die Zukunft. Und darum ist es für die Gesellschaft eine wichtige Aufgabe, die Väter zu sehen. Vaterschaft darf keine Negativfolie sein, z. B. indem immer wieder über scheinbar mutwillig abwesende Väter geklagt wird, oder dass noch zu wenige in Elternzeit gehen. Als wollten sie alle nicht. Sondern die Umstände sind zu bedenken, die Rahmenbedingungen zu betrachten. Also: Wann werden Väter gesehen? Und wie werden Väter gesehen? Von Vätern darf einiges erwartet werden und sicher auch das Beste. Realistisch sollte es auch sein. Denn wann „seh’n wir uns“ wirklich? –  Wenn man sich selber realistisch sehen kann, ehrlich und echt. Und sich ernst nehmen. Auch die Wünsche nach guter Zeit mit Kindern. Und die wird dann auch richtig gut.
PAPA, wann seh’n wir uns?“